Steigerungspotenzial für Organspenden

Das Deutsche Ärzteblatt (9/2006, “Organspender-Potenzial ist nicht ausgeschöpft”) konstatiert, das in Deutschland augenblicklich 12.000 Patienten auf eine Organverpflanzung warten und jährlich etwa 1.000 Menschen sterben, weil sie nicht zeitgerecht ein Organ erhalten. Hauptursache: Spendermangel! Der Artikel fasst dann die Ergebnisse einer Studie zusammen, die über die Jahre 2002 - 2004 sieben Hamburger Kliniken mit 16 Intensivstationen einbezogen hat.

Ergebnis: In 2004 waren es annähernd 50% der geeigneten Spenderkandidaten, die für die Organspende entfielen, weil die Angehörigen die Spende ablehnten. Hierzu kurz festgehalten: Laut Transplantationsgesetz muss die Zustimmung der Angehörigen eingeholt werden, wenn der Kandidat zu Lebzeiten seinen Willen nicht ( etwa per Organspendeausweis ) festgehalten hat. Allerdings sind die Angehörigen dazu verpflichtet, im Sinne des Verstorbenen zu urteilen. Bei direkten Befragungen von Menschen zeigt sich eine weitaus höhere Zustimmungsquote von ca. 70%.

 

Interpretation

Offenbar ist der Wille hinsichtlich der möglichen Organspende den Angehörigen regelmäßig nicht bekannt, wurde also niemals thematisiert. Zweifellos Resultat der Tatsache, dass der eigene Tod wie der naher Angehöriger ein Tabuthema ist. Bleibt schließlich festzuhalten, dass im Bedarfsfalle kaum die selbe Empfindlichkeit vorliegt. Der Anteil der Menschen, die lieber sterben als ein Spenderorgan anzunehmen, dürfte nahe Null liegen.